Seelsorge mit Jesus dem Verlassenen

Vorbemerkung: Der Verfasser arbeitet in einem seelsorglichen Bereich inmitten der Gesellschaft,
außerhalb von verfassten Strukturen der Kirche.

seelsorge mit jesus dem verlassenen
vier wochen vor dem karfreitag
mein platz zwischen allen stühlen
ich habe nur einen bräutigam...
große betroffenheit in der behörde
zwei kollegen verstorben beide dramatisch
ich habe nur einen bräutigam...
lange gespräche in den letzten zwei wochen
begleitung von vielen die hilflos im trauern
ich habe nur einen bräutigam...

ich steh heut auf dem friedhof mitten unter den leuten
große trauernde menge dann stau auf den straßen
endlich ankunft im dienstgebäude bei denen die trauern
man schaut mich an wie nen alien
letzte gespräche verstummen
schweigend wird eis gegessen
mir wird nichts angeboten nicht mal ein stuhl
nach einer minute mein abgang
kondoliere zum abschied
ich habe nur einen bräutigam...

vertreter von kirche die ist in der krise
von dieser kirche inmitten der welt
was ist meine rolle was ist mein angebot
was sieht man in mir warum ist es so schwer
um den pc musste ich betteln 5 ½ jahre lang
und nun hat man was übrig corona machts möglich
gibt mir den rest von dem was noch da ist
für seelsorge das letzte der letzte platz der letzte ort das letzte material
aber nur solange nirgendwo anders bedarf sonst schnell wieder weg
doch wenigstens das gibt es
wenns brennt bin ich vor ort
ich habe nur einen bräutigam...

Genau IHN hab ich gewählt
Chiara gab mir den Namen

Rolf von Jesus dem Verlassenen
IHN liebe ich allein - Vier Wochen vor Karfreitag
Mitten im Leben und Sterben in einer Behörde...

Auferstehung
Da sagt doch eine Mitarbeiterin, die mich nach dem grotesken Besuch nach der
Beerdigung heute in der Dienststelle zur Tür begleitete, diesen einen Satz:
„Danke, dass Sie da waren!“
Eine Stunde Kälte auf dem Friedhof - Eine Stunde Stau in der Stadt – Eine
Minute Besuchsdauer im Kriminalkommissariat fokussieren sich in diesem
einen Satz. „Danke, dass Sie da waren!“
ALSO WAR DOCH ALLES RICHTIG !!!

„Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann!“ (Lukas 9,58)

Rolf Hannig

  1. März 2021