2020-2 Jesus - mein Freund

  •  Drucken
  • Inhaltsverzeichnis herunterladen

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Vom letztlich unschätzbaren Wert echter Freundschaft wussten die Menschen seit eh und je. Im Ersten Testament ist dies synthetisch auf den Punkt gebracht mit folgenden Worten: "Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf." (Sir 6,14f.) Es verwundert nicht, dass gerade das Thema der Freundschaft für Poeten, Musiker und andere Künstler eine Quelle der Inspiration für Werke geworden ist, die wir zu den schönsten zählen dürfen. Und es wird ein unerschöpfliches Thema bleiben für jene, die etwas von der unaussprechlichen und zugleich zerbrechlichen Schönheit der Freundschaft erleben dürfen.
Wie glücklich darf ich mich schätzen, wenn mir gute Freundinnen oder Freunde in meinem Leben geschenkt sind. Ja, sie sind letztlich Geschenk, wiewohl ich selbst viel dazu beitragen kann, Freundschaften zu ermöglichen, aufzubauen, zu pflegen und zu vertiefen. Allein über diese Kunst, Freundschaften zu finden und zu gestalten, lassen sich Bibliotheken füllen. Wie schlecht aber ergeht es Menschen, die niemanden wirklich zur Freundin oder zum Freund haben, selbst wenn sie abgesehen davon an vielem reich sind. Der Mensch als Geschöpf eines Gottes, der in sich und über sich hinaus Beziehung ist, findet seine Verwirklichung im Leben von Beziehungen, die sich gemäß den Beziehungen der göttlichen Personen in einander sich schenkender und empfangender Liebe ereignen. Gelingende Freundschaften sowohl unter Menschen als auch mit Gott sind Teilhabe an dieser wechselseitigen göttlichen Liebe.
Freundschaften leben vom gegenseitigen Teilhabenlassen am eigenen Leben einerseits – bis hinein ins ganz Persönliche, Vertrauliche, ja bisweilen auch Intime – und vom Teilnehmen am Leben der bzw. des anderen andererseits – jeweils in ehrfurchtsvoller und dankbarer Haltung sowie in einer Freiheit, welche keinen Gegensatz zu starker Verbundenheit darstellt. Die Vorstellung, in diesem Sinne einen Gott als Freund zu haben, ist religionsgeschichtlich betrachtet etwas durchaus Außergewöhnliches und steht scheinbar im Gegensatz zu einem allmächtigen Gott, zu einem unendlichen Schöpfer – und erst recht zu einem Richtergott. Auf welche revolutionäre Weise Jesus Christus das Gottesbild erneuert, wird nicht zuletzt daraus ersichtlich bzw. zumindest erahnbar, wie er als Gottessohn die Beziehung zum Menschen lebt und wie er uns Menschen in seine Beziehung im Geist mit dem Vater mithineinnimmt. Ein Gott als Freund! Welch frohe Kunde, zumal er nicht nur Freund von einigen privilegierten Menschen ist, die ihm gut zu Gesicht stehen, sondern von allen Menschen und hier – wenn schon von Bevorzugung die Rede sein sollte, auch wenn dies auf Gott bezogen nie ganz adäquat ist – in bevorzugter Weise von den Armen, Kleinen, Entrechteten, kurz von denen, die man sich nach rein menschlichen Kriterien und Empfindungen nicht spontan als erste zu Freundinnen und Freunden machen würde.
Die vorliegende Prisma-Ausgabe führt in unterschiedlichen Facetten und Zugängen auf die Spur der Freundschaft im Allgemeinen und auf die Spur von Jesus als Freund im Speziellen. Die Beiträge der Autorinnen und Autoren geben je nach ihrer Disziplin profunde Einblicke in diese spannende Thematik, die letztlich jeden Menschen betrifft, wobei nicht selten auch ihre persönliche wie professionelle Erfahrung durchklingt. Sie können etwas von der Schönheit und Tiefe der Freundschaft unter Menschen und besonders der Freundschaft mit Jesus aufleuchten lassen. Reich ist zudem die Palette an Biografien, an denen wichtige Aspekte der Freundschaft mit Jesus sichtbar werden, wie dies anhand einiger Beispiele auf den folgenden Seiten zu lesen ist. Verbunden mit dem Wunsch, dass unsere persönliche wie gemeinsame Freundschaft mit Jesus durch die Lektüre dieses Heftes wieder etwas bewusster erfahren oder im besten Fall gar vertieft wird, wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gerade in diesen aktuell nicht einfachen Zeiten mit all ihren Herausforderungen eine gesegnete Weihnachtszeit, in welcher wir das Nahekommen Gottes als Freund feiern. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich die Qualität einer Freundschaft. Möge diese auch in Ihrem Leben mit dem Freund Jesus geschehen und mögen Ihnen echte Freundinnen und Freunde geschenkt sein, mit denen Sie die menschlich-göttlichen Dimensionen von Freundschaft erleben dürfen!

Stefan Ulz

Jetzt Probeausgabe oder Abonnement bestellen